284 Wörter · etwa 3 Minuten Redezeit
Liebe Gäste, liebe Familie, lieber Max, eigentlich war abgemacht, dass heute nur Max redet. Aber wer mich kennt, weiß, dass ich mich an solche Abmachungen selten halte, und Max weiß es am besten. Deshalb: ein paar Worte von mir. Zuerst an euch alle: Danke, dass ihr da seid. Manche von euch sind heute Morgen um fünf aufgestanden, manche haben eine Woche Urlaub genommen, und meine Oma hat zum ersten Mal seit zehn Jahren einen Zug bestiegen. Dass ihr hier sitzt, ist das schönste Geschenk, das wir uns vorstellen können. Danke an unsere Eltern, die uns beigebracht haben, was eine gute Ehe ist, indem sie uns einfach eine gezeigt haben. Und danke an unsere Trauzeugen, die in den letzten Monaten mehr Nachrichten von mir bekommen haben als in den zehn Jahren davor. Und dann, Max. Als wir uns kennengelernt haben, hast du mir am zweiten Abend gesagt, dass du keine großen Reden hältst. Ich habe seitdem gelernt, dass das stimmt. Du redest nicht groß, du machst groß. Du hast mir ein Regal gebaut, als ich gesagt habe, dass meine Bücher am Boden stehen. Du bist nachts in die Apotheke gefahren, als ich Fieber hatte. Du hast dir den Namen jeder meiner Kolleginnen gemerkt, obwohl du die meisten nie getroffen hast. Ich habe lange gedacht, Liebe wäre etwas, das man spürt. Mit dir habe ich gelernt, dass sie vor allem etwas ist, das man tut. Jeden Tag, in kleinen Dingen, ohne dass es jemand sieht. Ich verspreche dir heute nicht, dass ich mich in Zukunft an Abmachungen halte. Aber ich verspreche dir, dass ich dich jeden Tag sehen werde, mit allem, was du tust. Auf uns, auf euch, auf diesen Tag. Und jetzt darf Max reden.