300 Wörter · etwa 3 Minuten Redezeit
Liebe Sophie, lieber Tim, liebe Familie, liebe Freunde, ich bin Sophies Trauzeugin, und wer mich kennt, weiß, dass ich vor Publikum eigentlich nicht rede. Für Sophie mache ich heute eine Ausnahme. Sie hat in den letzten fünfzehn Jahren so viele Ausnahmen für mich gemacht, dass ich ihr mindestens diese eine schulde. Sophie und ich haben uns im ersten Semester kennengelernt, in einer WG-Küche, in der sie um zwei Uhr nachts Pfannkuchen für zwölf Leute gemacht hat, die sie alle erst seit drei Stunden kannte. So ist Sophie: Sie sorgt für Menschen, bevor die überhaupt merken, dass sie etwas brauchen. Als sie mir von Tim erzählt hat, war das anders als sonst. Sie hat nicht geschwärmt, sie hat gelacht. Sie hat gesagt: "Er hat mir gestern eine Stunde lang zugehört, ohne mich zu unterbrechen. Ich glaube, das ist ein gutes Zeichen." Tim, ich habe dich damals im Stillen geprüft, und du hast bestanden, spätestens als du bei ihrem Umzug drei Stockwerke Bücher getragen hast, ohne ein einziges Mal zu fragen, ob sie die alle wirklich braucht. Was ich an euch beiden liebe: Ihr seid füreinander da, ohne euch aufzugeben. Sophie ist noch genauso laut, warm und spontan wie früher. Nur dass jetzt jemand neben ihr steht, der ihre Spontaneität mit einem Zugticket und einer Thermoskanne begleitet. Sophie, du bist der Mensch, den ich anrufe, wenn etwas Schönes passiert und wenn etwas schiefgeht. Ich bin so glücklich, dass du jetzt jemanden hast, der diesen Anruf schon bekommen hat, bevor du gewählt hast. Ich wünsche euch, dass ihr euch weiter so zuhört wie an eurem ersten Abend. Dass ihr euch in den kleinen Dingen findet, im Frühstück am Sonntag und im Weg nach Hause. Und dass ihr wisst: Für Pfannkuchen um zwei Uhr nachts bin ich weiterhin jederzeit erreichbar. Auf Sophie und Tim!