262 Wörter · etwa 2 Minuten Redezeit
Liebe Nina, lieber Paul, liebe Gäste, ich bin Paul und Ninas Freund, kein Trauzeuge, kein Verwandter, einfach jemand, der die beiden seit acht Jahren jeden Donnerstag beim Volleyball sieht. Und weil ich sie fast nie einzeln erlebt habe, kann ich heute etwas erzählen, das sonst niemand sagt: wie die beiden als Paar sind, wenn sie denken, dass es keiner merkt. Paul ist der, der beim Volleyball jeden Ball holt, auch den aussichtslosen. Nina ist die, die ihn danach fragt, ob das jetzt nötig war, und ihm trotzdem das Wasser reicht. So geht das seit acht Jahren, und ich habe irgendwann verstanden, dass das keine Kabbelei ist. Das ist ein System. Einer springt, eine fängt auf. Ich erinnere mich an einen Abend im Herbst vor drei Jahren, als Paul einen furchtbaren Tag gehabt hatte und trotzdem zum Training kam. Er hat nichts gesagt. Nina hat auch nichts gesagt. Sie hat ihn nur den ganzen Abend neben sich spielen lassen, und auf dem Heimweg hat er wieder gelacht. Ich habe noch nie zwei Menschen gesehen, die so wenig Worte brauchen, um füreinander da zu sein. Was ich an euch bewundere: Ihr seid ein Paar, ohne aufzuhören, Freunde zu sein. Ihr habt eure Leute, eure Donnerstage, eure eigenen Sachen. Und trotzdem ist klar, dass ihr am Ende des Tages zueinander gehört. Ich wünsche euch, dass ihr euer System behaltet. Dass einer weiter springt und eine weiter auffängt, und dass ihr ab und zu die Rollen tauscht. Und ich wünsche uns allen, dass ihr am Donnerstag wieder da seid, verheiratet oder nicht. Auf Nina und Paul!