268 Wörter · etwa 2 Minuten Redezeit
Liebe Hannah, lieber David, liebe Gäste, ich bin Hannahs Mutter, und ich habe mir fest vorgenommen, heute nicht zu weinen. Das Vorhaben hat bis zur Kirchentür gehalten. Hannah, du bist als Kind nie einfach irgendwo angekommen. Du bist immer hineingelaufen, mit Schwung, mit einer Frage auf den Lippen und meistens mit dreckigen Knien. Ich habe damals viel Zeit mit Pflastern verbracht. Und ich habe früh gelernt, dass du nicht zu bremsen bist, sondern nur zu begleiten. Als du David zum ersten Mal mit nach Hause gebracht hast, war ich vorbereitet auf einen jungen Mann, der freundlich lächelt und schnell wieder geht. Stattdessen hat er zwei Stunden mit deinem Vater über Gemüsebeete gesprochen und mir hinterher beim Abwasch geholfen, ohne dass ihn jemand gefragt hat. Ich wusste an diesem Abend, dass du gut aufgehoben bist. David, ich habe in den letzten Jahren gesehen, wie du Hannah Raum gibst, ohne sie loszulassen. Wie du ruhig bleibst, wenn sie zehn Dinge gleichzeitig will, und wie du dann das elfte mit erledigst. Du hast nicht versucht, sie zu ändern. Du hast dich neben sie gestellt. Das ist, glaube ich, alles, was eine Mutter sich wünschen kann. Ihr beiden habt einander nicht gebraucht, um ganz zu sein. Ihr habt einander gewählt, und das ist etwas Größeres. Hannah, du bist meine Tochter, und heute bist du auch eine Ehefrau. Beides zugleich zu sein, ist die schönste Aufgabe, die ich kenne. Ich wünsche euch, dass ihr euch immer wieder so anseht wie heute Morgen, als ihr dachtet, keiner schaut hin. David, willkommen in unserer Familie. Die dreckigen Knie gehören jetzt dir. Auf Hannah und David!