265 Wörter · etwa 2 Minuten Redezeit
Liebe Lisa, lieber Jan, liebe Gäste, ich bin Lisas Freundin seit dem ersten Tag im Büro, an dem sie mir ungefragt die Hälfte ihres Mittagessens abgegeben hat, weil ich meins vergessen hatte. Das war vor neun Jahren, und ich habe seitdem noch oft mein Essen vergessen. Manchmal absichtlich. Lisa ist ein Mensch, der teilt. Essen, Zeit, Meinungen, vor allem Meinungen. Wer sie um Rat fragt, bekommt ihn ehrlich, und wer sie nicht fragt, bekommt ihn auch. Ich habe das lange als Eigenart abgetan, bis ich gemerkt habe, dass hinter jeder ihrer Meinungen ein Interesse steht: Sie will, dass es einem gut geht. Sie kann nur nicht anders, als das laut zu sagen. Und dann kam Jan. Lisa hat mir am Montag nach eurem ersten Treffen in der Kaffeeküche erzählt, dass sie einen Mann kennengelernt hat, der ihr widerspricht. Sie hat das gesagt wie andere Leute "Er hat mir Blumen gebracht". Ich wusste in dem Moment, dass es ernst wird. Lisa braucht niemanden, der nickt. Sie braucht jemanden, der standhält. Und Jan, das tust du, mit einer Ruhe, die ich in neun Jahren an ihrer Seite nie geschafft habe. Was ich an euch beiden sehe: Ihr macht euch gegenseitig besser, nicht bequemer. Lisa ist mit dir geduldiger geworden, Jan ist mit dir lauter geworden. Beides steht euch. Lisa, du hast mir vor neun Jahren dein Mittagessen abgegeben und seitdem einen Teil deines Lebens. Ich bin so froh, dass du jetzt jemanden hast, der ganz bleibt. Jan, pass gut auf sie auf, und wenn sie dir widerspricht, hör hin. Sie hat meistens recht. Auf Lisa und Jan!